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Der Mittelstand verliert die Geduld mit der Politik – und schafft Tatsachen !

Der deutsche Mittelstand ist nicht wütend. Er ist weiter. Er ist resigniert. Und genau das macht die aktuellen Zahlen so gefährlich. Laut einer Umfrage des Bundesverband mittelständische Wirtschaft glauben 64 Prozent der mittelständischen Unternehmer nicht mehr daran, dass die Bundesregierung die Voraussetzungen für eine echte Wirtschaftswende schafft. 79 Prozent erkennen nicht einmal ein ernsthaftes Bemühen, die zentralen Probleme des Mittelstands anzugehen. Das ist kein Stimmungsdämpfer – das ist ein Vertrauensbruch.

Ein Jahr nach der Bundestagswahl ist von Aufbruch nichts zu sehen. Stattdessen herrscht das Gefühl, man sitze in einer Endlosschleife aus Gipfeln, Ankündigungen und Personaldebatten. Oder, wie BVMW-Bundesgeschäftsführer Christoph Ahlhaus es formuliert: „Wie im falschen Film.“ Treffender lässt sich die Lage kaum beschreiben.

Geredet wurde genug – geliefert wurde nichts

Besonders entlarvend ist eine Zahl: 83 Prozent der Mittelständler halten weitere Wirtschaftsgipfel für überflüssig. Die Probleme seien bekannt, die Lösungen ebenfalls – es fehle nicht an Erkenntnis, sondern an Umsetzung. Genau hier liegt der Kern der Enttäuschung. Der Mittelstand erwartet keine Wunder, keine Subventionsexzesse, keine großen Visionen. Er erwartet Verlässlichkeit, Entlastung, Planbarkeit. Stattdessen bekommt er Gesprächsrunden und Schlagzeilen.

Dass nur 11 Prozent der Befragten an einen wirtschaftlichen Aufschwung im laufenden Jahr glauben, ist das logische Resultat. Wer täglich mit hohen Energiepreisen, Bürokratie, Fachkräftemangel und steuerlicher Belastung kämpft, braucht keine Gipfel – er braucht Rahmenbedingungen, die wieder atmen lassen.

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Führungsschwäche statt Wirtschaftswende

Die Kritik richtet sich dabei nicht abstrakt gegen „die Politik“, sondern sehr konkret gegen die Führung. Friedrich Merzmuss sich laut Ahlhaus die Frage stellen, ob er die richtigen Personen an Bord hat. Das ist eine ungewöhnlich offene Ohrfeige aus einem Lager, das politisch keineswegs feindlich gesinnt ist.

Besonders peinlich ist das Beispiel der Mittelstandsbeauftragten der Bundesregierung: 75 Prozent der Unternehmer haben noch nie von ihr gehört, weitere 18 Prozent sagen, sie habe nichts für den Mittelstand getan. Wenn die Interessenvertretung des Rückgrats der deutschen Wirtschaft faktisch unsichtbar ist, sagt das alles über den Stellenwert des Mittelstands in dieser Regierung.

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Der systemische Bruch: Mittelstand ohne Stimme

Was hier sichtbar wird, ist mehr als Enttäuschung über einzelne Personen. Es ist ein systemischer Bruch. Der Mittelstand trägt Steuern, Arbeitsplätze, Ausbildung und Innovation – fühlt sich aber politisch irrelevant. Großkonzerne verhandeln direkt mit Ministerien, Sozialpolitik dominiert die Haushaltsdebatte, Klimaziele überlagern Standortfragen. Dazwischen steht der Mittelstand – ohne Lobby, ohne Priorität, ohne Geduld.

Dass diese Stimmung nicht aus dem Bauch heraus entsteht, sondern sich quer durch Branchen zieht, macht sie so brisant. Wer jetzt noch glaubt, man könne das mit einem weiteren Gipfel oder einem neuen Papier kitten, hat den Ernst der Lage nicht verstanden.

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Der Mittelstand hat innerlich gekündigt

Die Umfrage ist kein Weckruf mehr. Der Wecker klingelt seit Jahren. Das hier ist das Geräusch der Kündigung – nicht der Arbeitsverträge, sondern des Vertrauens. Der Mittelstand glaubt nicht mehr an Ankündigungen, nicht mehr an Aufbruchsrhetorik, nicht mehr an schnelle Wendungen.

Wenn selbst der Mittelstand, traditionell geduldig, pragmatisch und staatstragend, sich „wie im falschen Film“ fühlt, dann läuft etwas Grundsätzliches schief. Und dann reicht es nicht mehr, an einzelnen Stellschrauben zu drehen. Dann braucht es politische Führung – oder das offene Eingeständnis, dass man sie nicht liefern kann.

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