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Produktivität als Schlagwort: Wenn Politik die Uhr anstarrt, statt Probleme zu lösen

„Produktivität. Produktivität. Produktivität.“ Wenn Wirtschaftsministerin Katherina Reiche dieses Mantra ausruft, klingt das zunächst nach Tatkraft. In Wahrheit ist es ein Offenbarungseid. Denn was die Politik derzeit unter Produktivität versteht, ist vor allem eines: mehr Zeit aus den Menschen herauspressen. Mehr Stunden, weniger Krankheitstage, weniger Pause, weniger Leben. Als ließe sich Wohlstand erzeugen, indem man am Drehknopf der Arbeitszeit dreht wie an einer alten Maschine.

Das ist Denkweise aus dem letzten Jahrhundert. Produktivität entsteht nicht, weil Menschen länger im Bus sitzen, länger im Büro ausharren oder länger Formulare bearbeiten. Sie entsteht durch Kapital, Technologie, Organisation und – ja – durch Vertrauen. Doch genau hier versagt die Politik seit Jahren. Statt Rahmenbedingungen für Innovation zu schaffen, wird die Verantwortung nach unten delegiert. Der Staat blockiert, reguliert und besteuert – und ruft dann empört: Warum seid ihr nicht produktiver?

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Mehr arbeiten, weniger bekommen – das alte Spiel im neuen Gewand

Die Debatte ist bezeichnend. Kanzler Merz beklagt zu viele Krankentage, CSU-Chef Söder fordert eine Stunde Mehrarbeit pro Woche, als handle es sich um ein Opfer, das man eben bringen müsse. Produktivität wird hier mit Anwesenheit verwechselt. Das ist bequem, weil es nichts kostet – außer den Menschen selbst.

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Gleichzeitig bleibt unerwähnt, warum Produktivität stagniert. Deutschland leidet nicht an zu wenig Arbeitswillen, sondern an zu viel Bürokratie, an lähmenden Genehmigungsverfahren, an einer Bildungspolitik, die seit Jahren hinterherläuft, und an einem Staat, der Innovation predigt, aber Investitionen erschwert. Wer heute ein Unternehmen gründet, kämpft sich nicht durch kreative Prozesse, sondern durch Formulare, Vorschriften und Unsicherheit. Produktivität erstickt nicht am fehlenden Fleiß, sondern an politischer Schwerfälligkeit.

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Produktivität braucht Freiheit – und die traut sich der Staat nicht zu

Ökonomen wie Enzo Weber weisen seit Jahren darauf hin: Deutschland ist nicht reich geworden, weil es mehr gearbeitet hat, sondern weil es besser gearbeitet hat. Hochtechnologie, industrielle Exzellenz, Organisation, Ausbildung – das waren die Quellen des Wohlstands. Heute hingegen schaut die Politik neidisch in die USA oder nach China, wo Produktivitätsgewinne durch KI und Automatisierung erzielt werden, während man hierzulande darüber diskutiert, ob Menschen nicht einfach länger im Büro bleiben sollten.

Das ist nicht nur kurzsichtig, es ist gefährlich. Produktivität lässt sich nicht verordnen, schon gar nicht durch moralischen Druck. Sie entsteht dort, wo Menschen motiviert sind, wo Leistung sich lohnt, wo Innovation nicht bestraft wird. Solange der Staat jedoch Leistung stärker reguliert als fördert, Arbeit stärker kontrolliert als ermöglicht und Erfolg misstrauisch beäugt, bleibt „Produktivität“ ein leeres Wort.

Die bittere Wahrheit lautet: Die Politik fordert Produktivität, weil ihr selbst nichts Produktives mehr einfällt. Statt Systeme zu modernisieren, will man Menschen optimieren. Statt Strukturen zu reformieren, wird an der Arbeitszeit geschraubt. Das ist keine Wirtschaftspolitik – das ist ein Eingeständnis des eigenen Scheiterns.

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